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Biodiversität an Schulen beobachten: Citizen Science mit Verantwortung

Auch ein Schulhof kann zum Lernort für biologische Vielfalt werden. Dieser Ratgeber zeigt, wie Schülerinnen und Schüler Lebewesen störungsfrei beobachten, Unsicherheiten dokumentieren und sensible Daten schützen.

3. November 2026 · 8–10 Min.
Eigene Illustration ohne Beschriftung: Schulgarten mit Baum, Blume, Vogel, Schmetterling und Beobachtungsheft.
Aus Abstand beobachten, Unsicherheiten dokumentieren und sensible Fundorte schützen.

Warum biologische Vielfalt beobachten?

Biologische Vielfalt bedeutet mehr als die Anzahl verschiedener Arten. Sie umfasst auch die Beziehungen zwischen Organismen und ihren Lebensräumen. Die UNESCO betont ihre Bedeutung für das menschliche Wohlergehen sowie die Rolle der Bildung für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Selbst ein kleiner Schulhof bietet Gelegenheit, Pflanzen, Vögel und Insekten wahrzunehmen. Eine kurze Erhebung ist jedoch keine vollständige Arteninventur: Sie erfasst nur das, was unter bestimmten Bedingungen tatsächlich beobachtet wurde.

Eine sichere und zugängliche Route auswählen

Lehrkräfte und Schulleitung legen vorab eine barrierearme Route fest. Verkehr, steile Kanten, Wasserstellen, frisch behandelte Flächen, Dornen und mögliche Allergien müssen berücksichtigt werden. Kinder sollen weder Tiere anfassen noch Nester öffnen, Pflanzen ausreißen oder Wildtiere füttern. Fernglas, Notizheft und Fotos aus der Distanz reichen meist aus. Geeignete Kleidung und Sonnenschutz gehören zur Vorbereitung. Alternative Beobachtungsplätze ermöglichen auch Kindern mit Mobilitäts- oder Sinneseinschränkungen eine gleichberechtigte Teilnahme.

Beobachtungen vergleichbar machen

Wählen Sie drei Beobachtungspunkte und planen Sie jeweils etwa zehn Minuten ein. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Wetter, Beobachtungsdauer und Gruppengröße. Wiederholungen auf derselben Route zu ähnlichen Zeiten erleichtern Vergleiche. Beschreiben Sie ein Lebewesen nur so genau, wie es die Merkmale zulassen. Wenn die Art unklar ist, ist die Angabe 'kleiner brauner Vogel' ehrlicher als eine unbelegte Bestimmung. Ein gemeinsames Formular verhindert uneinheitliche Zählungen.

Fotos und Fundorte verantwortungsvoll behandeln

Fotos sollten Lebewesen zeigen, nicht erkennbare Kinder. Namen, Gesichter, Sicherheitsdetails der Schule und private Adressen gehören nicht in öffentliche Datensätze. Genaue Fundorte seltener oder empfindlicher Arten können deren Störung oder Entnahme erleichtern. Prüfen Sie Altersgrenzen der Plattformen, Schulregeln und Einwilligungen der Sorgeberechtigten, bevor Konten eingerichtet oder Bilder hochgeladen werden. Eine lokale Tabelle im Klassenraum ist eine sinnvolle Alternative; nicht jede Beobachtung muss veröffentlicht werden.

Artbestimmungen kritisch prüfen

Automatische Bildvorschläge sind keine sichere Artbestimmung. iNaturalist bietet Materialien für Bildung und gemeinschaftliche Bestimmung; ähnliche Arten, Jahreszeit und Bildqualität können Ergebnisse jedoch beeinflussen. Vergleichen Sie unsichere Beobachtungen mit verlässlichen regionalen Bestimmungshilfen oder fachkundigen Personen. Die Kategorie 'nicht bestimmt' ist besser als eine erzwungene Zuordnung. Ob Pilze oder Pflanzen essbar oder ungefährlich sind, darf niemals allein anhand einer App entschieden werden.

Daten ohne Übertreibung auswerten

Mehr Beobachtungen an einem Punkt beweisen nicht, dass das Ökosystem dort gesünder ist. Temperatur, Regen, Blütezeit, Erfahrung der Beobachtenden und Anzahl der Besuche beeinflussen die Ergebnisse. Halten Sie den Beobachtungsaufwand getrennt von der Zahl unterschiedlicher Organismengruppen fest. Wird eine Art nicht gesehen, bedeutet das nicht, dass sie fehlt. Stellen Sie die Ergebnisse als vorläufige Muster dar, nicht als gesicherte Populationsschätzungen oder Beweise für Umweltverbesserungen.

Ein Projekt für sieben Tage

Tag eins: Sicherheits- und Datenschutzregeln vereinbaren. Tag zwei: Beobachtungspunkte auswählen und Formulare vorbereiten. Tage drei und vier: dieselben Punkte erneut untersuchen. Tag fünf: Fotos und Notizen unter Anleitung vergleichen. Tag sechs: unsichere Bestimmungen kennzeichnen und mögliche Verzerrungen besprechen. Tag sieben: Ergebnisse ohne personenbezogene Daten und sensible Fundorte im Klassenraum vorstellen. Eine Wiederholung in einer anderen Jahreszeit ermöglicht zusätzliche Vergleiche.

Aus Beobachtungen umsichtiges Handeln ableiten

Besprechen Sie die Ergebnisse mit der Schulleitung und prüfen Sie kleine, risikoarme Maßnahmen: vorhandene Vegetation erhalten, unnötiges Mähen hinterfragen, Abfälle entfernen und vor einer Bepflanzung mit heimischen Arten lokalen Fachrat einholen. Fremde Arten auszusetzen, Nester umzusetzen oder Pestizide einzusetzen ist keine Aufgabe für Schülerinnen und Schüler. Erfolg zeigt sich in sicherer Beteiligung, nachvollziehbaren Aufzeichnungen, ehrlichem Umgang mit Unsicherheit und Respekt vor Lebewesen.

Vorlage für ein Beobachtungsprotokoll im Unterricht

Erfassen Sie an jedem Beobachtungspunkt dieselben Angaben: Datum und Uhrzeit; allgemeiner Standortcode (keine genauen Koordinaten); Wetter; Beobachtungsdauer in Minuten; Zahl der Beobachtenden; Organismengruppe; gegebenenfalls bestätigter Artname; Anzahl der Sichtungen; Sicherheit der Bestimmung; Prüfung durch die Lehrkraft. Tragen Sie keine Namen von Schülerinnen und Schülern, erkennbare Gesichter oder genaue Fundorte empfindlicher Arten ein. Dasselbe Individuum kann mehrfach gezählt werden; vergleichen Sie Rohzahlen bei unterschiedlicher Beobachtungsdauer nicht unmittelbar.

Checkliste zur Datenqualität im Unterricht

Vergleichen Sie Beobachtungen möglichst auf derselben Strecke, zur ähnlichen Tageszeit und mit gleicher Beobachtungsdauer. Wenn zwei Gruppen jeweils 15 Minuten beobachten, lassen sich Einträge pro Durchgang vergleichen; daraus ergibt sich jedoch keine verlässliche Bestandszählung. Unterschiede bei Wetter, Anzahl der Beobachtenden und Jahreszeit gehören in die Auswertung.

Kennzeichnen Sie jeden Eintrag als direkt beobachtet, durch ein Foto belegt oder Bestimmung unsicher. Ohne Prüfung durch die Lehrkraft darf eine Artbestimmung nicht als gesichert gelten. Laden Sie weder erkennbare Schülerfotos noch genaue Fundorte empfindlicher Arten auf öffentliche Plattformen hoch.

Beobachtungsbogen

Eine Zeile pro Beobachtungspunkt und Zeitraum; keine personenbezogenen Daten oder genauen Koordinaten eintragen.

Beobachtungsbogen
Datum / UhrzeitBereichscodeMinutenWetterOrganismengruppe / UnsicherheitLehrkraftprüfung
      
      
      

Checkliste vor der Beobachtung im Gelände

Gehen Sie diese Liste vor dem Unterricht im Freien gemeinsam mit der Lehrkraft durch. Ziel ist nicht eine möglichst lange Artenliste, sondern eine sichere und wiederholbare Erhebung.

  1. Genehmigung und Sicherheit: Nutzen Sie nur von der Schule freigegebene Flächen. Kinder dürfen sich Gewässern, stark befahrenen Straßen oder gesperrten Bereichen nicht ohne angemessene Aufsicht nähern.
  2. Vergleichbare Methode: Gehen Sie möglichst dieselbe Strecke und beobachten Sie etwa gleich lange. Halten Sie Beginn, Ende, Zahl der Beobachtenden und Wetter fest.
  3. Lebewesen nicht stören: Berühren Sie keine Nester, pflücken Sie keine Pflanzen und fangen oder füttern Sie keine Tiere. Verzichten Sie auf Fotos, wenn diese die Tiere stören könnten.
  4. Datenschutz: Veröffentlichen Sie weder Gesichter oder Namen von Kindern noch sensible Angaben zur Schule oder genaue Fundorte gefährdeter Arten.
  5. Unsicherheit dokumentieren: Ist die Art nicht sicher bestimmbar, notieren Sie eine übergeordnete Organismengruppe statt einer vermeintlich sicheren Bestimmung.
  6. Vorsichtig auswerten: Mehr Sichtungen belegen für sich genommen keine höhere Artenvielfalt. Berücksichtigen Sie Beobachtungsdauer, Jahreszeit und Unterschiede zwischen den Beobachtenden.

Hinweis für Lehrkräfte: Lassen Sie die Lernenden am Ende der Woche mindestens eine unsichere Bestimmung überprüfen und die Grenzen ihrer Daten erläutern.

Quellen

Diese Quellen ersetzen keine örtlichen Sicherheits- und Datenschutzregeln der Schule.